Häusliche Gewalt

Was ist das?

Gewalt in nahen Beziehungen wird Häusliche Gewalt genannt.

Häufig handelt es sich um Gewalt durch aktuelle Lebens- oder Ehepartner. Auch in der Trennungsphase oder wenn die Beziehung bereits aufgelöst wurde, und bei Gewalt in anderen nahen Beziehungen, z.B. Gewalt von Kindern gegenüber ihren Eltern spricht man von Häuslicher Gewalt.

Gewalt gegen Kinder wird nicht als Häusliche Gewalt bezeichnet, doch häufig sind Kinder direkt oder indirekt von der Gewalt gegen ihre Mutter mitbetroffen und brauchen eigenständige Unterstützung.

Oft geschieht die Gewalt an Orten, an denen sich die Frauen eigentlich sicher fühlen sollten, in vertrauter Umgebung, in der eigenen oder gemeinsamen Wohnung, doch auch wenn Frauen von einem (Ex-) Partner z.B. auf der Straße bedroht oder angegriffen werden, oder wenn der Partner in einer eigenen Wohnung lebt  wird diese Gewalt als Häusliche Gewalt bezeichnet.

Häusliche Gewalt gegen Frauen wird in den allermeisten Fällen von Männern ausgeübt. Die Betroffenen kommen aus allen sozialen Schichten mit unterschiedlichsten Einkommen und Bildungsniveaus und kulturellen Hintergründen.

Gewalt in der Partnerschaft beginnt meist als schleichender Prozess. Oft werden erste Signale übersehen, nicht als Gewalt erkannt oder als Kleinigkeiten abgetan.

 

Handlungen Häuslicher Gewalt können sein:

– Beschimpfungen, Erniedrigungen, Demütigungen, Beleidigungen, Abwertungen, auch vor anderen

– Drohungen

– Einschränkungen der persönlichen Freiheit, wenn z.B. bestimmte Orte oder Situationen gemieden werden müssen, um Bedrohungen und Gewalt zu verhindern

– Verbot Kontakt zur Familie und/oder Freund_Innen zu halten oder auszugehen

– Verbot zu arbeiten

– Verbot, die eigene Meinung zu sagen

– mit Gegenständen werfen, Gegenstände / Möbel zerstören

– schubsen, schlagen, treten

– würgen, an den Haaren ziehen

– mit Waffen oder Gegenständen bedrohen und/oder verletzen

– Verbrennungen, Verätzungen

– Einsperren

– Erzwingen sexueller Handlungen

– und vieles mehr

Meist wenden die Täter nicht nur eine Form von Gewalt an: Häusliche Gewalt ist oft ein Ineinandergreifen verschiedener Gewaltformen auf körperlicher und psychischer Ebene und wird häufig als Mittel zur Ausübung von Macht und Kontrolle eingesetzt. Für die Frauen bedeutet dies eine komplex bedrohliche Lebenssituation.

 

Warum gehen sie nicht?

Häufig wird die Frage gestellt, warum Frauen ihren gewalttätigen Partner nicht verlassen.

Hierfür gibt es viele mögliche Gründe.

Bestehende Abhängigkeiten und Ambivalenzen spielen bei vielen Frauen eine Rolle, Angst vor dem Gerede der Nachbarn, Verwandten, Arbeitskolleg_Innen, Sorge um die Kinder, …

Sich (vorerst) nicht zu trennen kann auch dem Schutz dienen, etwa dann, wenn die Gefährdung der Frau und ihrer Kinder durch die Trennung so massiv ansteigen würde, dass dieser Schritt intensiv vorbereitet werden muss, denn einen allumfassenden Schutz kann niemand gewähren.

Ein ganz wichtiger Grund kann jedoch auch sein, dass Frauen bislang nicht genügend Informationen haben, welche rechtlichen Möglichkeiten Sie nutzen können und/oder sie bisher noch keine Anlaufstelle kennen, in der Sie Ihre Lebenssituation in einem geschützten Rahmen besprechen und individuelle Lösungsschritte erarbeiten können.

 

Der Kreislauf der Gewalt

Kommt es erstmalig zu Gewalt in einer Beziehung, hoffen viele Frauen, dass dies ein einmaliger Übergriff bleibt. Doch meist wiederholen sich die Ereignisse und die Gewalt steigert sich im Laufe der Zeit.

Gewalt in Beziehungen folgt in der  Regel einem Kreislauf:

 

Phase 1

in der ersten Phase kommt es immer öfter zu verbalen Attacken und Streitigkeiten, oft über Kleinigkeiten – ihr Partner ist unzufrieden mit etwas, hat Stress auf der Arbeit oder Sie sind anderer Meinung als er … vielleicht sucht er auch gezielt Streit, um seinen Unmut an Ihnen auszulassen. Die Attacken werden zunehmend feindseliger, lauter und häufiger.

Vielleicht verharmlosen Sie diese Spannungssituationen vor anderen, doch Sie versuchen, die Stimmung Ihres Partners zu erahnen, um gewappnet zu sein und die Situation unter Kontrolle zu behalten. Vielleicht bemühen Sie sich, Ihren Partner zu besänftigen (mit Fürsorglichkeit, Nachgiebigkeit,…) oder versuchen, ihm aus dem Weg zu gehen.

 

Phase 2

Schließlich eskaliert die Situation und es kommt zu einem oder mehreren Gewaltausbrüchen. Sie haben große Angst und wissen nicht, was Sie tun können, um die Gewalt zu beenden oder zu verringern. Vielleicht brauchen Sie ärztliche Hilfe.

 

Phase 3

Nicht selten schämen sich die Frauen nach der Ihnen widerfahrenen Gewalt oder fühlen sich schuldig und versuchen, ihre Verletzungen zu verbergen, um weitere Eskalationen zu verhindern und auch um Nachfragen oder Gerede zu vermeiden.

In der Regel ändert sich das Verhalten Ihres Partner in dieser Phase deutlich: vielleicht bittet er Sie um Verzeihung, verspricht, nie wieder Gewalt anzuwenden. Vielleicht macht er Ihnen Geschenke und verhält sich liebevoll, bereut, was passiert ist. Vielleicht bemüht er sich, Sie nicht zu verlieren, argumentiert dafür mit Ihren Kindern oder „benutzt“ Verwandte und Freund_Innen, um Sie zu überzeugen.

Sie selber fühlen sich vielleicht unsicher und durcheinander, wissen nicht, was Sie glauben können, …

es gab ja auch gute Zeiten …

 

Doch diese Phase endet und der Kreislauf der Gewalt beginnt von Neuem.