ANONYME SPURENSICHERUNG (ASS)
ASS oder VSS (vertrauliche Spurensicherung) ermöglicht Opfern sexualisierter Gewalttaten eine anonyme und trotzdem gerichtsverwertbare Spurensicherung und –lagerung. Sie können sich den oftmals belastenden Schritt einer Anzeigenerstattung in Ruhe überlegen und haben dazu bis zu 10 Jahre lang Zeit, ohne dass eventuell wichtige Tatspuren verloren gehen.
Die Spuren werden anonymisiert im Institut für Rechtsmedizin mit Hilfe einer Chiffre-Nummer gelagert, über die die Spuren bei einer späteren Anzeigenerstattung Ihren Akten zugeordnet werden können. Erfolgt im Zeitraum von 10 Jahren eine Anzeige, können die Spuren als wichtiges Beweismittel dienen. Erfolgt keine Anzeige, werden sie nach 10 Jahren vernichtet.
Zur Sicherung der Spuren können die Betroffenen sich nach einer Sexualstraftat in einer Klinik untersuchen lassen:
Am Augusta-Klinikum Bochum (Telefon 0234-517-2701 Frauenklinik) bietet die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe die vertrauliche Spurensicherung an (Abrechnung über die gesetzliche Krankenkasse).
Ebenfalls das St. Josef-Hospital Katholisches Klinikum Bochum Kinderklinik. Sie ist Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche und nimmt am iGOBSIS-Projekt teil ( Informationssystem für Ärztinnen und Ärzte zur Versorgung von Gewaltopfern).
Auf der iGOBSIS-Website https://gobsis.de sind weitere zertifizierte Kliniken zu finden. Auf dieser Website sind extra hervorgehoben gekennzeichnet die Kliniken, die alle formalen Voraussetzungen erfüllen und eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen haben. Diese Kliniken können die vertrauliche Spurensicherung mit den gesetzlichen Krankenkassen (GKV) abrechnen.
Empfehlung: wenn möglich, rufen Sie vorher im Krankenhaus an, lassen sich mit der gynäkologischen Station verbinden und teilen dort mit, dass Sie zur Untersuchung vorbei kommen. Die Ärztin kann dann alles vorbereiten (es gibt ein spezielles Spurensicherungsset) und sich Zeit nehmen.
Wichtig ist, dass mögliche Tatspuren (Dokumentation von evtl. Verletzungen, Spermaspuren u.a.) direkt gesichert werden. Bitte vor der Untersuchung möglichst nicht duschen und Kleidung nicht waschen.
Die Ärztin erfragt Daten von Ihnen (sie steht unter Schweigepflicht) und Sie unterschreiben eine Erklärung, dass Sie eine anonyme Spurensicherung und Lagerung bis zu 10 Jahren wünschen. Sie erhalten davon eine Durchschrift. Der ärztliche Untersuchungsbericht verbleibt im Krankenhaus.
Die Polizei erfährt nichts, es sei denn, Sie erstatten in den nächsten 10 Jahren die Anzeige. Bitte weisen Sie in diesem Fall die Polizei darauf hin, dass die Tatspuren anonym gesichert wurden und geben dann der Ärztin eine Entbindung von der Schweigepflicht.